Kann Kratom zur Bekämpfung einer Opioid-Abhängigkeit angewandt werden?

Kratom-gegen-Opioid-Abhängigkeit

Kratom hat in Südostasien eine lange Geschichte eines diesbezüglichen Konsums, der in der lokalen Bevölkerung weithin akzeptiert ist. Es wird häufig als erschwinglicher Ersatz für Straßenheroin oder andere Opioide verwendet (Vicknasingam et al., 2010). Beispielsweise wurden in einer im Norden Malaysias durchgeführten Studie 136 Kratomkonsumenten (99% männlich) in Gebieten mit hohem Kratomkonsum identifiziert und befragt (Vicknasingam et al., 2010). Die Ergebnisse zeigten, dass 90% der Probanden Kratom als Ersatz für illegale Opioide verwendeten und 84% berichteten, dass Kratom dazu beigetragen hat, ihre Abhängigkeit von Opioiden und die Schwere der Entzugssymptome zu reduzieren.

Eine weitere malaysische Studie (Singh et al., 2015) rekrutierte 293 erwachsene Männer, von denen die meisten Arbeiter waren, welche seit mindestens sechs Monaten Kratom konsumiert hatten. 5% von ihnen gaben an, Kratom verwendet zu haben, um die Abhängigkeit von illegalen Substanzen, einschließlich Opioiden und Cannabis, zu beseitigen und/oder Entzugssymptome zu lindern.

Ein hierdurch motivierter Konsum wurde in den USA zunehmend durch Internet-Umfragen von Kratom-Nutzern (Grundmann, 2017; Grundmann et al., 2018; Smith & Lawson, 2017) und in über 23.000 Kommentaren an die DEA und die FDA bestätigt (DEA, 2016c; Henningfield et al., 2018). Auch wenn die Autoren nicht behaupten, dass Kratom als medizinisch nachgewiesen wirksame und sichere Therapie für Opiat Abhängigkeit angesehen werden sollte, glauben sie, dass es gerechtfertigt ist, die umfangreichen Erfahrungsberichte und die analytische Überwachung ernst zu nehmen.

Solche Informationen dienen als eine Form von Beweisen aus der realen Welt, die von Konsumenten und vielen Wissenschaftlern ernst genommen werden und von den Behörden nicht ignoriert werden können. “Real World Data’” und ”Real World Evidence” spielen heute eine zunehmende Rolle bei Entscheidungen im Gesundheitswesen.

Ist Kratom effektiv im Management von Schmerzen?

Ähnlich verhält es sich mit der Schmerzbehandlung, wo Kratom nicht als schmerzstillendes Arzneimittel zugelassen ist, aber die Schmerzlinderung zu den am häufigsten berichteten Anwendungen gehört (Grundmann, 2017; Henningfield et al., 2018; Pain News Network, 2018; Swogger et al., 2015).  Beim Vergleich der Ergebnisse dieser Studien ist Vorsicht geboten, da hierbei  kulturelle, demografische und produktbezogene Moderatoren von Effekten sowie Verzerrungen berücksichtigt werden müssen, die auf der Methodik beruhen. Nichtsdestotrotz stimmen die Ergebnisse von Beobachtungen durch Kratomkonsumenten in den USA mit Fallberichten und Beschreibungen des traditionellen Kratomkonsums in Südostasien überein, was darauf hindeutet, dass Kratom als Ersatz für potenziell gefährlichere klassische Opioide bei der Behandlung von Schmerzen und Opiat Abhängigkeit nützlich ist.

Kratom gegen Schmerzen

Dieser Effekt sollte in gut kontrollierten klinischen Studien für solche Indikationen untersucht werden (Henningfield et al., 2018). Es sei auch erwähnt, dass die umfangreichen Einzelberichte über analgetische Aktivität beim Menschen mit der partiellen agonistischen Aktivität von Mitragynin ami Mu Opioid Rezeptor und Befunden in Tiermodellen für Schmerzen übereinstimmen, bei denen Mitragynin und Kratomextrakte analgetische Aktivität zeigen.

7-Hydroxy Mitragynin – Wichtig zu wissen

Gemäß diversen Studien mit frisch zubereiteten Kratom-Proben wird 7-Hydroxymitragynin nicht primär von der Pflanze selber erzeugt.

Hydroxy Mitragynin

Es wird vielmehr vermutet, dass Die Oxidation von Mitragynin während Trocknung bzw. Transport und/oder während des Fertigungsprozesses nach der Ernte auftritt. Die Konzentrationen von 7-Hydroxymitragynin in kommerziellen Kratom-Produkten im Westen sind erheblich (109-520%) höher als die von Kratom in den nativen Situationen (Lydecker et al 2016).

Referenzen

DEA (2016c). Withdrawal of notice of intent to temporarily place mitragynine and 7hydroxymitragynine into schedule I. 2016, Retrieved fromFederal Register  https:// www.deadiversion.usdoj.gov/fed_regs/rules/2016/fr1013.htm

Grundmann O (2017). Patterns of Kratom use and health impact in the US-results from an online survey. Drug and Alcohol Dependence, 176, 63–70. 10.1016/j.drugalcdep.2017.03.007. [PubMed: 28521200]

Grundmann O, Brown PN, Henningfield J, Swogger M, & Walsh Z (2018). The therapeutic potential of kratom. Addiction, 113(10), 1951–1953. 10.1111/add.14371. [PubMed: 29949213]

Henningfield JE, Fant RV, & Wang DW (2018). The abuse potential of kratom according the 8 factors of the controlled substances act: Implications for regulation and research. Psychopharmacology (Berl), 235(2), 573–589. 10.1007/s00213-017-4813-4. [PubMed: 29273821]

Lydecker AG, Sharma A, McCurdy CR, et al. Suspected adulteration of commercial kratom products with 7-hydroxymitragynine. J Med Toxicol. 2016;12(4):341–349

Pain News Network (2018). Kratom survey. Retrieved from https://painnewsnetwork.org/kratom-survey/

Singh, D., Muller, C. P., & Vicknasingam, B. K. (2014). Kratom (Mitragyna speciosa) dependence, withdrawal symptoms and craving in regular users. Drug and Alcohol Dependence, 139, 132–137 doi:S0376-8716(14)00793-5 [pii];10.1016/j.drugalcdep.2014.03.017

Smith KE, & Lawson T (2017). Prevalence and motivations for kratom use in a sample of substance users enrolled in a residential treatment program. Drug and Alcohol Dependence, 180, 340–348. 10.1016/j.drugalcdep.2017.08.034

Swogger MT, Hart E, Erowid F, Erowid E, Trabold N, Yee K, … Walsh Z (2015). Experiences of Kratom users: A qualitative analysis. Journal of Psycho active Drugs, 47(5), 360–367

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